Internationale Politik (Berlin): „Kaltschnäuzigkeit“

Das schreibt Armando García Schmidt, Projektmanager im Europaprogramm der Bertelsmann Stiftung, in seiner Rezension zu meinem Buch „Das Baskenland“, die die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in der Juli/August-Ausgabe 2010 ihrer Zeitschrift „Internationale Politik“ abdruckt:

„(…) Im Gegensatz zu Collado macht Ingo Niebel aus seiner politischen Verortung keinen Hehl. Gleich zu Beginn seiner Darstellung des Baskenkonflikts weist er darauf hin, dass er aus dem ‚baskischen Blickwinkel‘ schreibe. Nun ist ein offener Umgang mit dem eigenen Standpunkt nicht unbedingt problematisch. Doch Niebel schreibt in Wirklichkeit mitnichten aus einer baskischen Perspektive. Denn das würde voraussetzen, dass sich der Autor mit der Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit der baskischen Geschichte auseinandersetzt. Dann gehört die soziale und politische Realität des heutigen Baskenlands ebenso unzensiert auf den Tisch wie eine ehrliche Diskussion der konkurrierenden Interpretationen des Konflikts. Doch Niebels Schrift bietet all das nicht. Ihm gilt nur eine Interpretation, und zwar die der selbsternannten ‚linksnationalistischen Befreiungsbewegung‘, deren Sichtweise er ausschließlich referiert. Folgerichtig ergibt sich alles aus den zurechtgezimmerten Mythen. Freund und Feind sind eindeutig unterschieden, Recht und Unrecht verteilt. Unerträglich, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Niebel über die Opfer der selbstgerechten Befreier hinweggeht und wie er vermeintliche Kausalitäten nach ideologischem Belieben konstruiert. Der baskischen Perspektive wird er damit in keiner Weise gerecht: Die Mehrheit der Basken lehnt die Gewalt ab, auf die hier ein Loblied angestimmt wird. Laut Euskobarómetro vom Mai 2009 unterstützen nur noch 0,8 Prozent der Basken den gewaltsamen Kampf um Autonomie.“

Diese Einschätzung wundert keineswegs. Bereits in meinem Buch schrieb ich (s.S.9):

„(…) Wer nicht per se das baskische Anliegen nach Anerkennung der nationalen Identität, Territorialität und des Rechts auf Selbstbestimmung verdammt, steht sofort im Verdacht, den ‚Terrorismus‘ gutzuheißen.

(…) Wer die baskischen Forderungen teilt und sich nicht gemäß des Sprachkodexes des spanischen ‚Anti-Terror-Kampfes‘ ausdrückt, läuft weiterhin Gefahr, der ‚Zusammenarbeit mit der ETA‘ bezichtigt zu werden. (…)“

Den vollständigen Originaltext des zitierten IP-Artikels finden Sie hier.

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